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Die (un)gesunde Vagina: Wie Milchsäurebakterien für eine gesunde Vagina sorgen

März 2, 2024 . dija

Willkommen in der wunderbaren Welt der Vagina, in der ein eigenständiges Ökosystem aus Bakterien, Hefen und Pilzen dich schützt. Die meisten Menschen wissen wenig über vaginale Gesundheit, obwohl ein Mangel bestimmter Bakterien in der Vagina das Risiko für Harnwegsinfektionen, Pilzinfektionen und bakterielle Vaginose, Frühgeburt, Unfruchtbarkeit und Geschlechtskrankheiten erhöht. Derzeit erforschen Wissenschaftler weltweit, was eine gesunde Vagina ausmacht und wie sie gesund bleibt. Hier lernst du in sechs Monaten alles rund um dieses Thema. 

Heute in Teil eins: Was ist vaginale Gesundheit eigentlich?

Dies ist eine Geschichte mit einer der wichtigsten Hauptrollen – die Milchsäurebakterien. Bis vor kurzem dachte ich nie an Milchsäurebakterien und hatte schon gar keine Ahnung, dass sie in meiner Vagina leben, bis ich für Yoni untersuchte, was vaginale Gesundheit eigentlich bedeutet. Plötzlich hatte ich viel mehr Bewunderung für meine Vagina, in der ein einzigartiges und eigenständiges Ökosystem aus Bakterien, Pilzen und Hefen das Ganze am Laufen hält. 

Besonders fasziniert bin ich von dem ‘Lactobacillus Crispatus’; die Milchsäurebakterie ‘Crispatus’. Crispatus ist ein winziges Stäbchen von 2 bis 11 Mikrometern (in einem Millimeter passen tausend Mikrometer), das 1953 von den Wissenschaftlern Brygoo und Aladame entdeckt wurde. Es ist eine der bekanntesten und häufigsten Laktobazillen, also Milchsäurebakterie, das in der Vagina lebt. Allgemein wird angenommen, dass in einer gesunden Vagina die Milchsäurebakterien dominieren. Um besser zu verstehen, was dieser Crispatus und andere Milchsäurebakterien genau in deiner Vagina machen und warum sie eine so wichtige Rolle bei der vaginalen Gesundheit spielen, musst du zuerst etwas über dein vaginales Mikrobiom wissen. 

Vaginales Mikro – was? 

Es ist 2024 und wahrscheinlich weißt du – Besitzerin einer Vagina – wenig über das vaginale Mikrobiom und vaginale Gesundheit im Allgemeinen. Nicht so seltsam, denn es steht nichts darüber in den Biologiebüchern und die Wissenschaft erforscht es erst seit zwanzig Jahren. Der weibliche Körper wurde lange Zeit in der Wissenschaft benachteiligt. So gibt es tausende Studien zu Sperma, aber nur wenige zu Menstruationsblut. 90 Prozent der Frauen leiden an PMS-Beschwerden (die sich manchmal wie ein Herzinfarkt anfühlen), und dennoch wurden Erektionsstörungen fünfmal häufiger erforscht. 

Wahrscheinlich weißt du, dass du deine Vagina nicht mit Seife waschen sollst (obwohl Drogerien immer noch viele spezielle Reinigungsmittel für deine Unterwelt verkaufen und du vielleicht manchmal verführt wirst). Wahrscheinlich weißt du auch, dass es besser ist, Menstruationsprodukte ohne Chenie zu verwenden (du bist nicht umsonst auf der Website von Yoni). Aber wenn du einmal vor dem Regal mit Menstruationsprodukten stehst, wählst du aus Kostengründen doch oft die günstigere Variante. Wahrscheinlich hast du auch schon einmal einen Artikel gesehen, der besagte, dass du mehr Joghurt essen solltest, um deine Vagina gesund zu halten. Und vielleicht erinnerst du dich auch vage an einen Kommentar deiner Großmutter, dass du keine Strings, sondern ‚normale‘ Baumwollunterwäsche tragen solltest. Etwas mit Bakterien oder so. 

Aber wahrscheinlich hast du noch nie vom vaginalen Mikrobiom gehört. Ich verurteile dich nicht. Was weiß ich über die Gesundheit meiner Vagina: genau nichts. 

Aber jetzt, wo ich mich damit beschäftigt habe, kann ich dir verraten: dahinter verbirgt sich eine wunderbare Welt. Es ist nicht nur interessant, sondern auch sehr spannend. Denn weltweit erforschen Wissenschaftler gerade, was in Zukunft alles möglich ist, wenn es um die Gesundheit von Vaginas – und deren Besitzerinnen – geht. 

Eine Vagina so sauer wie eine Orange 

Also, dieses vaginale Mikrobiom. Wie jeder Mensch ein Mikrobiom in seinen Därmen hat, so hat jeder Mensch mit einer Vagina auch dort eines. Ein Mikrobiom ist ein Mix von Bakterien, Hefen und Pilzen und ist bei jeder Person völlig einzigartig. Aber im Allgemeinen gibt es zwei Situationen: eine günstige Situation, bei dem viele Laktobazillen vorhanden sind (also diese Milchsäurebakterien). Die andere, weniger günstige Situation ist definiert durch eine höhere Diversität an Bakterien, aber weniger Laktobazillen. Das bedeutet, dass du anfälliger für Geschlechtskrankheiten, Entzündungen und Infektionen, Frühgeburten und Unfruchtbarkeit bist, auch wenn du nicht unbedingt Beschwerden von diesem Zustand haben musst. 

‚Gesunde‘ Vaginas werden also von Milchsäurebakterien dominiert; Bakterien, die Milchsäure produzieren und so für einen niedrigen pH-Wert sorgen. Das funktioniert so: Die Vaginalwand besteht aus Epithel; einer ‚Haut‘, vergleichbar mit der Innenseite deines Mundes. Die Zellen im Epithel enthalten Glykogen und wenn viele Laktobazillen (Milchsäurebakterien) in einer Vagina leben, wandeln sie das Glykogen in Milchsäure um. 

Aus dem (großartigen) umfangreichen Forschungsprojekt Isala der Universität Antwerpen zum vaginalen Mikrobiom im Jahr 2020 (es nahmen 3.300 Personen im Alter von 18 bis 98 Jahren teil) ergab sich, dass 80 Prozent der Teilnehmer hauptsächlich gesunde Milchsäurebakterien hatten. Bei 43 Prozent war die Crispatus-Bakterie dominant (Hier kannst du mehr über andere Bakterien lesen, die sie gefunden haben). Große Chance also, dass das auch bei dir der Fall ist. 

Dass das vaginale Milieu so reich an Milchsäurebakterien ist, ist übrigens einzigartig. Kein anderes Tier hat einen so niedrigen pH-Wert wie der Mensch. In der Zeit zwischen Pubertät und Wechseljahren liegt dieser bei Besitzerinnen einer Vagina durchschnittlich bei minus vier; das bedeutet, dass das Milieu in deiner Vagina ungefähr so sauer ist wie eine Orange. 

Einfluss auf alles Mögliche 

Gut so. Denn dieser niedrige pH-Wert schützt also die Vagina. Mittlerweile wissen wir aus der Forschung, dass bei Abwesenheit der Crispatus-Bakterie ein höheres Risiko für Erkrankungen besteht. So kann ein Mangel zu einer Harnwegsinfektion; im Volksmund Blasenentzündung führen. Die meisten Antibiotika werden für diese Erkrankung verschrieben, was viel darüber aussagt, wie häufig und stark Menschen unter einer Blasenentzündung leiden – und warum ein gesundes Mikrobiom so wichtig ist, um dies zu verhindern. Auch hast du mit wenig Crispatus mehr Chancen auf eine vaginale Pilzinfektion oder bakterielle Vaginose – letztere ist auch eine häufige Erkrankung; in Amerika leidet regelmäßig 30 Prozent der Frauen zwischen 14 und 49 Jahren daran. Ein vaginales Mikrobiom mit viel Crispatus ist dagegen weniger anfällig für Blasenentzündungen und Infektionen, aber auch für Geschlechtskrankheiten und HIV

Und hier endet die Liste nicht. Wenn das vaginale Mikrobiom ein Film wäre, spielte Crispatus wirklich die Hauptrolle, denn aus der Forschung geht auch hervor, dass Menschen, bei denen die Crispatus-Bakterie in größeren Mengen vorhanden ist, während einer Schwangerschaft ein geringeres Risiko für Frühgeburten haben (wenn du während deiner Schwangerschaft an bakterieller Vaginose leidest, kann diese Infektion zur Gebärmutter wandern und ein Signal geben, dass die Wehen beginnen sollen) und bei einer Fruchtbarkeitsbehandlung eher schwanger werden. 

Und zu guter Letzt: Die Anwesenheit von Crispatus beeinflusst auch die Anzahl der Beschwerden während und nach der Menopause. Milchsäurebakterien haben nämlich viel mit Hormonen zu tun – darüber im nächsten Blog mehr.  

Wenn du das alles so liest, würdest du deinen Freund:innen mit Vaginas am liebsten einen Beutel Crispatus zum Geburtstag schenken, oder? 

Bleibt dran 

Wie kann es sein, dass solch wichtige Informationen nicht zugänglicher sind, fragte ich mich während dieser Recherche oft (verärgert). Vielleicht, weil die Welt nicht auf Frauen ausgerichtet ist, vielleicht, weil die Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckt? Oder weil es schwierig ist, einfache Schlussfolgerungen zu ziehen? 

Denn es gibt noch vieles, was wir nicht (sicher) über das vaginale Mikrobiom wissen. Was die Wissenschaft jedoch weiß, bespreche ich hier in den kommenden Monaten. Zum Beispiel welche Auswirkungen Hormone, Blut und Stress auf Milchsäurebakterien haben. Es gibt auch eine (spannende und revolutionäre) Vermutung, dass das Mikrobiom in Gerichtsverfahren gegen sexuelle Gewalt helfen könnte. Und aus jüngster Forschung geht hervor, dass nicht nur die Crispatus-Bakterie wichtig für eine gesunde Vagina ist, sondern auch die Anwesenheit der Bakterie Lactobacillus jensenii und Kombinationen anderer Bakterien für mehr Widerstandsfähigkeit sorgen würden. Je mehr Hauptrollen für Milchsäurebakterien, desto besser, denke ich. 

Also bleibt dran. Nächsten Monat gibt es mehr. 

Über Daan Borrel: 

Daan Borrel ist Autorin und Journalistin und schreibt vor allem über den weiblichen Körper, Sexualität und Intimität. In ihrem Buch „Soms is liefde dit“ (2018) schreibt sie über sexuelles Verlangen. In „Jaar van het nieuwe verhaal“ (2020) erforscht sie den Einfluss des Menstruationszyklus auf das Leben einer Frau. Sie strebt nach einer Welt, in der Informationen über (weibliche) Gesundheit zugänglich sind.

Illustration by Robbyn Gray

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