Die (un)Gesunde Vagina: Die Zukunft des vaginalen Mikrobioms
Geschrieben von Daan Borrel
Willkommen in der Wunderwelt der Vagina, wo dich eine Mischung von Bakterien, Hefen und Pilzen tagtäglich beschützt. Die meisten von uns wissen leider relativ wenig über die eigene vaginale Gesundheit, obwohl ein Mangel an gewissen Bakterien in der Vagina, das Risiko von Blasenentzündungen, Pilzinfektionen, Frühgeburten, Unfruchtbarkeit oder Geschlechtskrankheiten steigern kann. Derzeit untersuchen Wissenschaftler weltweit, was eine gesunde Vagina ist und wie sie gesund bleibt.
Daher heute im sechsten und letzten Teil: Wie könnte unsere Zukunft aussehen, wenn wir mehr über das vaginale Mikrobiom wissen?
Lasst uns mit einer feministischen Utopie beginnen: Eine, in der das vaginale Mikrobiom eventuell sogar hilft, sexuellen Missbrauch zu belegen.
Denn eines der Probleme bei der Verurteilung von sexuellem Missbrauch: Normalerweise steht das Wort einer Person gegen das einer anderen. Was wäre, wenn – so die Überlegung des Projekts GeneDoe, der kleinen Schwester des belgischen Forschungsprojekts Isala – das vaginale Mikrobiom einer Frau als Beweis dafür dienen könnte, dass Geschlechtsverkehr stattgefunden hat? Beweist beispielsweise eine Störung des vaginalen Mikrobioms, dass eine Penetration stattgefunden hat?
Sie untersuchten dies auf zweierlei Weise: Sie baten die GeneDoe-Teilnehmerinnen, sieben Vaginalabstriche einzusenden – einen von jedem Tag der Woche – sowie die Unterhosen, die sie in dieser Woche trugen. Daran wurden zwei Dinge untersucht. Erstens das vaginale Mikrobiom und zweitens das Vorhandensein von prostataspezifischem Antigen (PSA), das zur Bestimmung von Spermien verwendet wird.
Bis zu 72 Stunden lang sichtbar.
Die Ergebnisse waren vielversprechend: Alle Teilnehmerinnen wechselten täglich ihre Unterhose und duschten oder badeten jeweils nach 24 Stunden, und dennoch war PSA noch 34 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr nachweisbar. Diese Zeitspanne kann von großer Bedeutung und Hilfe sein, wenn ein Opfer nicht sofort nach einer Vergewaltigung Anzeige erstattet.
Zudem konnte man an sehr subtilen Veränderungen im vaginalen Mikrobiom ablesen, dass Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte, und zwar nicht nur am Tag nach dem Sex, sondern während des gesamten Zeitraums, in dem sie das Mikrobiom analysierten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Mikrobiomanalyse sofort durchgeführt wurde oder ob die Unterhose noch 72 Stunden bei Raumtemperatur lag – das ist wichtig, denn noch bis zu 72 Stunden nach der Tat ist es sinnvoll, einen Vaginalabstrich zum DNA-Nachweis zu machen. So kann auch eine solche vaginale Mikrobiomanalyse bis dahin mit einem Vaginalabstrich oder einer Unterhosenanalyse durchgeführt werden. (Bei Interesse lies gerne hier über die Studie weiter).
Probiotika zur Vorbeugung
Und während du diesen Beitrag am Schreibtisch in der Mittagspause oder auf dem Heimweg im Zug liest, wird im belgischen Isala-Projekt fleißig geforscht. Zum Beispiel, ob zwei Menschen mit einer Vagina, die zusammenleben, das gleiche vaginale Mikrobiom haben (wusstest du zum Beispiel, dass sich das Mikrobiom im Darm von Verliebten im Laufe der Zeit ähnelt?). Glücklicherweise braucht man dieser Tage nur einen Blick in einen Femtech-Newsletter zu werfen, um festzustellen, dass auch die Forschung über die Gesundheit von Menschen mit Vulva und Gebärmutter immer mehr Mittel und Aufmerksamkeit erhält. Und auch Yoni hat eine Zusammenarbeit mit der Crispatus-Stiftung begonnen: Gemeinsam mit Wissenschaftler:innen untersuchen sie, ob es sinnvoll ist, Menschen mit einer Vagina Probiotika zu verabreichen, zum Beispiel in Form eines Sprays oder Tampons, um ein gesundes Mikrobiom zu schaffen und Infektionen und Entzündungen zu verhindern. Bisherige Studien sind optimistisch: Es scheint, dass 80 Prozent der Testpersonen, die die Crispatus-Bakterien einnahmen, auch nach drei Monaten noch mit Crispatus-Bakterien besiedelt waren. Auch nach 24 Wochen gilt das immer noch für die Hälfte von ihnen – ohne weitere Nebenwirkungen.
Ob es sinnvoll ist, nur Crispatus oder auch andere (Milchsäure-)Bakterien zu besiedeln, ist noch unklar. Es gibt noch unheimlich viele offene Fragen: Welche Kombinationen von Bakterien sind für die Gesundheit wichtig? Wie ist die Interaktion zwischen dem vaginalen Mikrobiom und dem Rest des Körpers und der Umwelt?
Wir können also nur hoffen, dass es bald eine Fortsetzung zu diesem Blog mit vielen weiteren Antworten gibt.