Von Symptomen zur Behandlung: Alles was du schon immer über Endometriose wissen wolltest
„Das gehört nun mal zum Frausein dazu.“
Viel zu oft werden starke Unterleibsschmerzen während der Periode als normal abgetan. Das könnte auch erklären, warum im Durchschnitt 6–7 Jahre zwischen den ersten Symptomen und der endgültigen Diagnose vergehen – bis endlich feststeht, dass diese Beschwerden alles andere als normal sind.
Anlässlich des Endometriose Awareness Months haben wir mit Dr. Andreas Widschwendter gesprochen, einem Spezialisten für genau dieses Krankheitsbild. Als Gynäkologe und Endometriose-Experte setzt er sich für umfassende Aufklärung und vielfältige Therapiemöglichkeiten ein – mit dem Ziel, die Diagnosezeit erheblich zu verkürzen.
Heute beantworten wir gemeinsam die meistgestellten Fragen rund um das Thema Endometriose.
Was ist eigentlich Endometriose und wie entsteht sie?
Endometriose ist eine gutartige, chronische Erkrankung. Bei den 10–15 % der Frauen, die von Endometriose betroffen sind, bildet sich Gebärmutterschleimhaut (auch als Endometrium bekannt) außerhalb der Gebärmutter. Ähnlich wie die „normale” Gebärmutterschleimhaut wächst dieses Endometriose-Gewebe während des Zyklus mit. Das erklärt auch, warum Beschwerden hauptsächlich während der Menstruation auftreten. Außerdem kann Endometriose auch die Funktion anderer anliegender Organe und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Wie Endometriose genau entsteht, ist leider nach wie vor nicht sicher. Es gibt allerdings mehrere potentielle Erklärungen:
- Menstruation: Während der Periode gelangt normalerweise Blut in den Bauchraum, welches auch Anteile der Gebärmutterschleimhaut enthält. Wenn diese Anteile im Inneren des Bauches anwachsen, kann Endometriose entstehen.
- Zellen: Bestimmte Zellen im Bauch können sich aufgrund von Hormonen in Endometriose-Gewebe umwandeln.
- Blutgefäße: Teile der Gebärmutterschleimhaut gelangen über Blutgefäße in das Innere des Bauches.
- Immunsystem: Das Immunsystem kann eine Rolle spielen
- Genetik: Ein genetischer Hintergrund wird auch vermutet
Das sind fünf mögliche Ursachen, die zur Bildung von Endometriose führen könnten. Leider herrscht aber immer noch viel Unklarheit und deswegen umso mehr Bedarf für Forschung.
Welche Symptome sind typisch für Endometriose?
Die Beschwerden hängen oft davon ab, wo genau sich das Endometriosegewebe gebildet hat. Allerdings treten Schmerzen während der Periode, beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhl- und Harngang meist im Beckenbereich oder Unterbauch auf. Obwohl die Symptome während der Menstruation oft verstärkt auftreten, kann man auch chronisch unter den Folgen der Krankheit leiden.
Außerdem kann Endometriose auch die Funktion der umliegenden Organe (Blase und Darm) und die Fruchtbarkeit beeinflussen.
Wie ausgeprägt die Beschwerden sind, hängt nicht immer von der Größe und vom Ausmaß der Endometriose ab: Frauen mit ausgeprägter Endometriose können beschwerdefrei sein und ein einzelner kleiner Endometrioseherd kann massive Schmerzen verursachen.
Wie ist es dazu gekommen, dass du dich auf Endometriose spezialisiert hast?
Endometriose ist in den meisten Fällen mit einem extrem hohen Leidensdruck verbunden. Statistiken bestätigen, dass oft 6–7 Jahre zwischen den ersten Beschwerden und der endgültigen Diagnose liegen, was mich auch in erster Linie dazu motiviert hat, mich mit dem Thema intensiver zu befassen. Ich treffe so gut wie jeden Tag auf Frauen, die schon lange an den Beschwerden leiden, aber keine bestimmte Ursache dafür ausmachen können. Aufgrund meiner Erfahrung im Bereich Endometriose bin ich überzeugt, dass eine Spezialisierung die einzige Möglichkeit ist, die Situation aktiv zu verbessern. Da die Diagnose meist unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nimmt und die operativen Eingriffe relativ komplex sind, ist Fachwissen unumgänglich. Eine exakte Diagnose schafft einfach Klarheit!
Wie läuft eine typische Diagnose ab?
Normalerweise beginnt man mit einem Gespräch, indem man gemeinsam auf die Beschwerden eingeht, um festzustellen, ob die Diagnose „Endometriose” in Frage kommen könnte. In weiterer Folge wird während einer gynäkologischen Untersuchung ein Ultraschall durchgeführt, um Endometrioseherde sichtbar zu machen. Ergänzend kann auch noch ein MRI (Magnetic Resonance Imaging) sinnvoll sein. Die endgültige Diagnose wird dann bei einer Bauchspiegelung gestellt. Dabei wird in Vollnarkose mit einer Kamera direkt in den Bauchraum geschaut und beurteilt, ob Endometriose vorhanden ist. Bestätigt sich die Diagnose, kann in der gleichen Operation die Endometriose entfernt werden.
Welche Behandlungsmethoden gibt es und ist Endometriose heilbar?
Die Endometriose-Therapie hängt von mehreren Faktoren ab und wird immer auf die individuelle Situation der betroffenen Person angepasst. Man kann aber ganz grundsätzlich zwischen einem operativen Eingriff, einer hormonellen Therapie, einer Schmerztherapie und unterstützenden Therapien (Ernährung, Akupunktur, Physiotherapie, Osteopathie, Yoga, Hypnose, psychologische Unterstützung) unterscheiden.
Obwohl Endometriose eine chronische Erkrankung ist, kann man durch Therapien sehr häufig Beschwerden behandeln und lindern. Mit der Menopause nimmt die Aktivität der Endometriose außerdem ab. Aber eine definitive Heilung ist mit keiner der derzeit verfügbaren Behandlungen möglich.
Welche potentiellen Faktoren erhöhen das Risiko für Endometriose?
Studien belegen, dass folgende Faktoren das Risiko für Endometriose erhöhen können:
- Geringer Body-Mass-Index (BMI)
- Frühe erste Regelblutung
- Kurzer Menstruationszyklus
- Späte erste Schwangerschaft
- Mutter und/oder Schwester sind an Endometriose erkrankt
Was kann man selbst machen, wenn man Endometriose diagnostiziert bekommt?
Wenn man selbst von Endometriose betroffen ist, kann man zum Beispiel durch gesunde Essgewohnheiten die Aktivität der Krankheit beeinflussen. Auch regelmäßige Bewegung, wie Yoga, kann zur Linderung der Beschwerden beitragen.
Falls man während des Zyklus aber immer wieder mit Schmerzen kämpft, sollte man unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren. Starke Beschwerden während der Periode sind nicht normal!
Links:
- Falls du mehr über Endometriose lesen möchtest
- Die Website von Dr. Andreas Widschwendter
- Leading Medicine Guide: Dr. Andreas Widschwendter